Geschlechtsorgane dienen in erster Linie der Fortpflanzung und definieren das unterschiedliche Geschlecht, man spricht deshalb von primären Geschlechtsmerkmalen, die je nach Geschlecht körperliche oder soziologische Merkmale haben. Innerhalb der spezifischen, körperlichen (engl. Sex) Geschlechtsmerkmale unterscheidet man zwischen inneren und äußeren Geschlechtsorganen. Sexuelle Reaktionen sind aber nicht nur auf die Geschlechtsorgane beschränkt, sondern auch auf andere Organe, die stimulierend reagieren, wie die Haut. Organe, die mit der Bildung und Ausscheidung von Urin betraut sind, nennt man Harnorgane. Dementsprechend unterscheidet man in harnbildenden Organen, wie die Niere und harnableitenden Organen, wie die Harnröhre, Harnleiter oder Harnblase. Die harnableitenden Organe und die Geschlechtsorgane greifen ineinander über. In dieser Krankheitsrubrik finden Sie angeborene oder erworbene Krankheiten der Geschlechts- und Harnorgane.
Adnexitis
Unter dem Begriff Adnexitis werden Entzündungen des Anhanggebildes verstanden. Adnexe oder das Anhanggebilde umschreibt medizinisch meist die Eierstöcke und Eileiter. Unter männlichen Adnexe bezeichnet man Samenleiter und -bläschen, Prostatadrüse und Nebenhoden. Es gibt unterschiedliche Begriffe für Entzündungen der Organe des kleinen Beckens, die unter der Überbegrifflichkeit „Pelvic inflammatory disease" (PID) fallen. Davon können die Eileiter, Eierstöcke oder Gebärmutter betroffen sein.
Akutes Nierenversagen
Akutes Nierenversagen (Akute Niereninsuffizienz) tritt ein, wenn die Niere in ihrer Funktion beschädigt ist und giftige Harninhaltsstoffe nicht mehr ausscheiden kann. Ein solches akutes Nierenversagen kommt oft nach Unfällen, Operationen oder auch nach Verbrennungen auf und stellt einen medizinischen Notfall dar. Das Nierenversagen kann sich über Stunden oder Tage entwickeln. Die Nierenfunktion ist in der Regel rückbildungsfähig (reversibel).
Beckenentzündung
Beckenentzündungen stellen eine der häufigsten Unterleiberkrankungen, vor allem bei Frauen dar. Für die Beckenentzündungen gibt es oft keinen erkennbaren Anlass. In vielen Fällen sind sexuell übertragene Infektionen, zum Beispiel Chlamydieninfektionen, ursächlich für die Unterleibserkrankung. Einige Infektionen führen zu chronischen Krankheitsbildern, die mit Unfruchtbarkeit oder stärkeren Tumorneigungen einhergehen.
Bettnässen
Von Bettnässen spricht man in definitiv, wenn ab dem fünften Lebensjahr regelmäßiges oder periodisches Bettnässen in der Nacht auftritt. Diese kindliche und jugendliche Störung nimmt mit jedem Jahr statistisch ab. Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Enuresis. Bei der ersten Form war das Kind noch nie trocken. Bei der sekundären Enuresis kommt es zu einem Rückfall des Bettnässens nach einigen Monaten. Bettnässen bis zum fünften Jahr stellt keinen medizinisch notwendigen Abklärungsbedarf dar. Störungen können auf Grund von körperlichen oder seelischen Leiden auftreten. Bei den Fünfjährigen tritt das Bettnässen etwa bei jedem fünften bis sechsten Kind auf.
Blasenentzündung
Eine Harnblasenentzündung oder untere Harnwegsinfektion wird fachärztlich Zystitis genannt. Auf Grund der kürzeren Harnleiter sind Frauen von der Krankheit öfter betroffen, die meist durch bakterielle Infektionen ausgelöst werden. Auch ältere Menschen, die an Prostatavergrößerung leiden unter der Krankheit. Der häufigste Erreger der Blasenentzündung ist der Escherichia coli. Die Flitter- oder Honeymoon-Zystitis ist eine bekannte Form der Blasenentzündung, die vorwiegend bei Frauen mit viel Geschlechtsverkehr auftritt.
Brustkrebs
Brustkrebs, auch Mammakarzinom genannt, ist ein bösartiger Tumor, der von Epithel-Zellen der Drüsenläppchen oder von den Milchgängen ausgehen kann. Die Gefahr, an Brustkrebs zu erkranken, wächst mit zunehmendem Alter. Brustkrebs ist die häufigste Krebsform bei Frauen.
Chlamydien-Infektion
Chlamydien-Infektionen sind bakterielle Infektionen der Geschlechtsorgane, die unterschiedliche Erkrankungen zur Folge haben können. Der Erreger kann Bindehautentzündungen, Geschlechtskrankheiten, Nasennebenhöhlen und Lungenentzündungen hervorrufen.
Chronisches Nierenversagen
Bei der chronischen Niereninsuffizienz handelt es sich um eine fortschreitende Erkrankung der Nieren, die von Funktionsverlusten bis zum kompletten Ausfall des Organs geprägt sind. Bei einer Einschränkung der Nierenfunktion kann das Organ die giftigen Stoffwechselprodukte nicht mehr ausscheiden. Sammeln sich diese im Blut, so kommt es zum Nierenversagen auf Grund einer Harnvergiftung. Gleichzeitig kommt es zu einer starken Ansammlung von Wasser in der Niere, da diese die aufgenommene Flüssigkeit nicht mehr ausscheiden kann.
Eierstockzyste
Alle gutartigen Veränderungen am Eierstock, die nach Zysten aussehen oder auch manchmal Tumore genannt werden, finden sich unter der Begrifflichkeit Ovarialzysten. Man unterscheidet zwischen funktionellen Zysten und Retentionszysten, je nach Entstehungsmechanismen. Meist sind es Frauen nach der Pubertät und Frauen nach den Wechseljahren, die an funktionellen Zysten erkranken. Eierstockzysten werden oft durch Hormonstörungen hervorgerufen.
Gallensteine
Nach Schätzungen leiden bis zu 15 Prozent der Erwachsenen an Gallensteinen. Gallensteine (Cholelithiasis) entstehen durch die Verdickung der Gallenflüssigkeit in der Galle. Unter Gallenblasensteine (Cholezystolithiasis) versteht man Steine, die sich in der Galle befinden. Befindet sich der Gallenstein im Gallengang, so spricht man von einem Gallengangstein (Choledocholithiasis). Meist verursachen die Gallensteine keine Beschwerden, nur wenn sich die Gallensteine einklemmen kann es zu einer Kolik kommen.
Gebärmutterentzündung
Bestimmte Bakterieninfektionen sind für Gebärmutterentzündungen verantwortlich. Man unterscheidet zwischen der häufigeren Entzündung des Gebärmutterhalses (Zervizitis) und einer Entzündung der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis). Wird die Gebärmutterentzündung nicht behandelt, kommt es oft zu bakteriellen Eileiterentzündungen, die komplizierter sind. Gebärmutterentzündungen können, sofern behandelt, ohne Folgeschädigungen ausheilen.
Harninkontinenz
Inkontinenz bedeutet soviel wie „Zurückhalten“. Inkontinenz kann sich beziehen auf die Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz und die Milchinkontinenz. Inkontinenz bezeichnet auch die medizinischen Krankheitsbilder von Affekt-Inkontinenz (Emotionen) und verbaler Inkontinenz (Äußerungen). Im Weiteren wird hier auf die Beschreibung der Harninkontinenz eingegangen. Harninkontinenz beschreibt den unfreiwilligen Harnabgang, der nicht zu schweren Krankheitsbildern führt, aber auf Grund der sozialen Problematik als Krankheitsbild wahrgenommen wird.
Harnwegsinfektion
Von Harnwegsinfektionen sind meist, auf Grund der kürzeren Harnröhre, Frauen betroffen. Man unterscheidet zwischen der unteren Harnwegsinfektion, bei der die Harnröhre und Blase betroffen ist und der oberen Harnwegsinfektion des Nierenbeckens. Meist sind Darmbakterien für die Infektion verantwortlich. Auch ältere Männer sind bei Prostataleiden von Harnwegsinfektionen betroffen.
Herpes genitalis
Herpes genitalis ist eine Virus-Erkrankung, die durch Herpes-Simplex-Viren (HSV) der Typen 1 und 2 ausgelöst wird. Typ 2 ist vor allem verantwortlich für Infektionen der Haut und der Schleimhäute. Typ 1 verursacht meist die Lippenbläschen. Rund ein Viertel der genitalen Infektionen sind auf HSV-Typ 1 zurückzuführen.
Hoden- und Nebenhodenentzündung
Man unterscheidet zwischen einer Hodenentzündung (Orchitis) und einer Entzündung der Nebenhoden (Epididymitis). Meist handelt es sich um Infektionskrankheiten durch Bakterien oder Viren. Vor allem männliche Personen, die nach der Pubertät an speziellen Formen von Mumps erkranken, leiden an Hodenentzündungen und nachfolgend oft an Nebenhodenentzündungen. Nebenhodenentzündungen sind oft mit bakteriellen Infektionen der Harnwege verbunden.
Hodenhochstand
Unter Hodenretention versteht man den Zustand, bei dem ein oder beide Hoden aus der Bauchhöhle nicht in den Hodensack absteigen. Normal geschieht dies in der fetalen Entwicklung oder innerhalb des ersten Lebensjahres. Ist die Entwicklung der normalerweise absteigenden Hoden in den Hodensack gestört, spricht man überbegrifflich vom Hodenhochstand. Hodenhochstand betrifft in einer hohen Zahl Frühgeborene. Es gibt unterschiedliche Formen des Hodenhochstandes, die je nach Entwicklungsgrad und Lokalisation beurteilt werden.
Hodenkrebs
Hodenkrebs ist eine bösartige Tumorerkrankung der Hoden oder versprengten Hodengewebes außerhalb der Hoden, meistens ausgehend vom Keimzellengewebe. Bei Hodenkrebs spricht man deshalb vom Keimzellentumor. Betroffen sind vor allem Männer im Alter von 20-40 Jahren. Bei dieser „Zielgruppe“ stellt der Hodenkrebs die häufigste Krebserkrankung dar. In Deutschland ist die Hodenkrebserkrankung, die ohne Behandlung tödlich enden kann, selten. Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen bei Männern stellt der Hodenkrebs mit zwei Prozent der Krebserkrankungen eher eine seltenere Form des Krebses dar.
Hodentorsion
Hodentorsionen, die durch Verdrehungen des Samenstranges entstehen, sind mit starken Schmerzen und Hodenanschwellungen verbunden und treten vorwiegend in der Pubertät auf. Wird die Hodentorsion nicht innerhalb von Stunden behandelt, kann es zu nachhaltigen Schädigungen der Hoden kommen. Dies kann zur Einstellung der Samenproduktion führen.
HPV-Infektion
Zu den häufigsten sexuell übertragenen Infektionen gehören die HPV-Infektionen. HPV steht für Humanpathogener Papilloma-Virus. HPV-Infektionen sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Der Häufigkeitsgipfel liegt im Alter von 20-25 Jahren. Es gibt heute rund 100 verschiedene Papilloma-Virenarten, die man in Bezug auf die Krankheitsbilder bzw. den Krebsrisiken in „Low-risk“ und „High-risk“ unterscheidet. Bei sexuellen Aktivitäten wird das Virus über die Schleimhäute und die Haut übertragen. Vor allem Frauen bei ihrem ersten Geschlechtsverkehr sind davon betroffen.
Leberzirrhose
Als Leberzirrhose werden chronische Lebererkrankungen im Endstadium bezeichnet. Leberzirrhosen sind nach dem heutigen Stand der Medizin irreversibel. Der Krankheitsverlauf kann sich über Jahre und Jahrzehnte hinziehen. Die häufigste Ursache in unserem Kulturkreis ist die virusbedingte Hepatitis und der Alkoholmissbrauch.